Bindungsmeditation

„Bindungsmeditation für Paare“ nach Stephen und Ondrea Levine, 1998, S. 106ff

Weshalb ist diese Übung die wichtigste, um eine vorhandene Beziehung zu vertiefen und in Bereiche vorzustoßen, die jenseits der bisherigen bewussten Interaktion eines Paares liegen?

Ja, das ist diese einfache, aber höchst wirkungsvollste Übung in der Tat! Sie lässt Paare sich von Herz zu Herz verbinden und ich bin Stephen und Ondrea Levine sehr dankbar dafür, dass sie diese Übung in ihrem Buch „In Liebe umarmen“ veröffentlicht und sie der Welt damit zugänglich gemacht haben. Sie braucht nicht viel Zeit (20-45 Minuten) und ist leicht durchzuführen. Sie führt zudem zu Erfahrungen, die es den Paaren ermöglicht, den Zusammenhalt ihrer Beziehungen zu vertiefen, indem sie Ebenen der Vertrautheit und Hingabe bewusst erfahrbar werden lässt, was natürlich von Paar zu Paar und von Tag zu Tag variieren kann. Obgleich diese Übung am tiefsten Punkt der Erfahrung dazu führt, sich eins zu fühlen und wie ein gemeinsamer Körper zusammen zu atmen, ist es am Anfang wichtig, sich bewusst mit der aktiven als auch passiven Rolle vertraut zu machen und diese auch jeweils im Wechsel einzunehmen. Mit mehr täglicher Übung – ja, einmal auf den Geschmack gekommen, möchte man später gar nicht mehr weniger üben, da ihnen sonst etwas Wichtiges fehlen würde, glauben Sie es mir- kann darauf zu einem späteren Zeitpunkt verzichtet werden.

Die Übung:

Bei dieser Atemübung bitten Sie ihren Partner, sich bequem auf einer angenehmen Unterlage hinzulegen. Dieser sollte sich auf ganz natürliche Art und Weise entspannen und auch ganz normal in seinem eigenen Rhythmus atmen. Sie sollten sich so zu ihrem Partner positioniert haben, dass Sie die Bauchdecke ihres Partners sehen oder zumindest fühlen können, in dem Sie ihre Hand auf die Bauchdecke ihres Partners legen. Ohne weitere verbale Absprache stimmen Sie sich auf den vor ihnen liegenden Partner mit ihrem Atem ein: wenn ihr Partner einatmet und sich seine Bauchdecke dabei hebt, atmen sie im gleichen Moment auch ein. Senkt sich die Bauchdecke ihres Partners, atmen sie ebenfalls aus, so dass Sie sich mit ihrer eigenen Atmung an die Atmung ihres Partners völlig anpassen und sie so weit wie möglich synchron atmen. Bleiben Sie während dieser Übung wach, aber auch entspannt, so dass Sie sich selbst an die feinsten Veränderungen im Atem ihres Partners anpassen können.

Nach ca. 8-10 gemeinsamen Atemzügen fangen Sie als der Aktive beim Ausatmen an, deutlich ein „AHHHH“ erklingen zu lassen, das für ihren Partner die ganze restliche Zeit hörbar bleiben sollte. Dies hilft ihnen dabei, sich tiefer und tiefer in den eigenen Bauch hinab sinken zu lassen bis auch ihr Bauch im Einklang mit dem Partner atmet und vibriert. Still wird jeweils das gemeinsame Einatmen vollzogen, während Sie alleine das tiefe „AHHHH“ des Loslassens ertönen lassen beim Ausatmen.

Da das gewöhnliche Zeitgefühl verloren gehen kann während einer solchen Übung, ist es wichtig, dass Sie diese Atemverbindung nur solange aufrechterhalten, wie Sie es für sich angenehm empfinden. Wenn zeitliche Verpflichtungen bestehen, sollten Sie vorher einen maximalen Zeitrahmen bestimmen und diesen vor der Übung festgelegt und einen Alarm für diesen Zeitpunkt installiert haben.

Bei dieser Übung gehen wir mit unserem Partner auf eine tiefe Herzensreise, um uns gemeinsam auf einander einzustimmen. Es können ganz vielfältige und völlig entgegengesetzte Empfindungen auftreten, wie einen tiefen Frieden zu empfinden oder dass sich in der sich anbahnenden Intimität und Nähe auch die Ängste genau davor zeigen und sich auch wieder auflösen lassen, wenn Sie ruhig weiter atmen. Bleiben Sie wach und ruhig und halten Sie die gemeinsame Atmung aufrecht.

Wenn Sie sich diese Übung zu eigen machen wollen, ist es wichtig, dass Sie sich erlauben zu experimentieren, vielleicht klappt es nicht gleich beim ersten Mal, aber weshalb eigentlich nicht? Dann ist es wirklich ihre Übung, mit ihren Wegen und Kreuzungen. Viel Spaß und Freude!

Von erfüllter Sexualität und achtsamer Liebe (bislang unveröffentlichtes Buchmanusskipt)
Copyright Jörn Wulf