WiE SIE ...

 

... außerordentlichen LIEBHABERN über die Schulter schauen und für sich und IHRE Beziehung profitieren?

 

Eine sehr gute Idee, ohne Einschränkungen, doch von wem und was?

 

Ulrich Clement und seinem Vortrag auf dem Psychotherapie-Kongress in Lindau zu dem Thema: Dynamik sexuellen Begehrens in der Paardynamik, 2014, verdanke ich den Hinweis auf Peggy KIeinplatz, einer kanadischen Sexualtherapeutin. Diese hat in einer Untersuchung in Kanada von ihr als „außerordentliche Liebhaber“ eingestufte Menschen interviewt, die alle mindestens 60 Jahre alt sein mussten und schon über 25 Jahre in einer von beiden Partnern als glücklich bezeichneten und sexuell überaus erfüllenden Beziehung leben. Die Antworten dieser 44 außerordentlichen Liebhaber, so groß war die Population, über die Art und Weise dieser langfristig gelebten und erfüllenden Beziehungen, besonders im sexuellen Bereich, wurden einer Inhaltsanalyse unterzogen, wobei 8 Punkte sich als besonders prägnant herausschälten.

 

Ist Ihr Interesse geweckt?

 

Na, hoffentlich, denn dadurch kommen wir direkt zum Kern einer neuen Haltung in der Liebe und Sexualität, die sich direkt aus der erfolgreichen Praxis ergeben hat und nicht aufgrund theoretischer oder sonstiger Überlegungen. 25 Jahre Beziehung allein und dann auch noch erfüllend und befriedigend: das ist schon mal eine Hausnummer, die sich von den Paaren, die ich so um mich herum wahrnehme bzw. mit denen ich in der Paartherapie zu tun bekomme, gewaltig und positiv unterscheiden.

 

Was sind das nun für Punkte, die sich in dieser so richtungsweisenden Untersuchung gezeigt haben?

 

Hier die 8 Punkte:

  • Präsenz
  • Verbundenheit/Integrität
  •  Sich um den Partner kümmern, ohne sich selbst aufzugeben
  •  Empathische Kommunikation
  •  Risikobereitschaft, sich zu zeigen und zuzumuten
  •  Authentizität: wer bin ich als Person
  •  Hingabebereitschaft
  • Transzendenz, sich als Teil einer höheren Ordnung zu begreifen

Es scheinen demnach ganz andere Faktoren für das Glücken einer guten, langlebigen und sexuell erfüllenden Beziehung wichtig zu sein, als uns die Ratgeber, die es in Hülle und Fülle gibt, weismachen wollen. Auffällig auch, dass keiner dieser Punkte direkt etwas mit Sexualität im Sinne einer konventionellen Sexualtherapie zu tun hat, etwa mit Lust, Orgasmus, Erektion oder Leidenschaft und der Beseitigung einer Funktionsstörung in diesen Bereichen. Es ist vielmehr die Rede davon, wer ich als Mann oder Frau in der Beziehung bin und wie ich mein sexuelles Sein und mich als Person zum Ausdruck bringen kann und mich damit zumute, und weniger, was ich mache oder tue bzw. welchen Status ich habe. Und ohne eine Kommunikation, die einfühlend und empathisch zu nennen wäre, geht rein gar nichts.

 

Jörn Wulf